Herz und Herzkranzgefäße im Fokus
Sie wird eingesetzt, um die Herzkranzgefäße sichtbar zu machen und Engstellen zu lokalisieren. Dazu wird beim sogenannten Linksherz-Katheter eine Arterie – meist des rechten Handgelenks – punktiert und ein dünnes Röhrchen (Katheter) an das Herzkranzgefäß herangeführt. In dieses kommt jodhaltiges Kontrastmittel, wodurch das Kranzgefäß auf einer kurzen Filmaufnahme sehr gut sichtbar wird.
Anhand dieser Darstellungen – in mehreren Projektionen – beurteilt der:die Kardiolog:in die Engstellen und entscheidet darüber, ob eine Stent-Implantation sinnvoll ist. Dieser Eingriff – auch Percutane Coronar Intervention (PCI) genannt – erfolgt in den meisten Fällen sofort in derselben Sitzung nach den Filmaufnahmen und deren Beurteilung. Dazu wird ein Stent direkt an der Engstelle mittels Ballon „aufgeblasen“ und exakt dort verortet. Diagnose und Therapie erfolgen somit in einer Sitzung, was der große Vorteil dieser Methode ist.
Ein Stent ist eine gitterförmige Gefäßstütze, die bei der Aufdehnung in das verengte Herzkranzgefäß eingesetzt wird. Das Gitterröhrchen mit einem Durchmesser von 2 bis 4 mm ist 8 bis 40 mm lang. Der Stent stabilisiert die Gefäßwand mechanisch und bewirkt so einen besseren Blutfluss. Er „heilt ein“ – verbleibt also im Körper.
In der Privatklinik Graz Ragnitz werden ausschließlich "drug-eluting" Stents (DES) implantiert. Sie sind mit Wirkstoffen beschichtet, die verhindern, dass speziell an der Stelle des Implantats neue Engstellen auftreten.
Weitere Fragen zur Untersuchung beantwortet Ihr:e Kardiolog:in beim Aufklärungsgespräch am Tag vor der Untersuchung. Ein Informationsblatt mit weiteren Details finden Sie in den Unterlagen, die Sie bei der Aufnahme in der Privatklinik Graz Ragnitz erhalten.
Dr. Ronald Hödl
FA für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin
Anmeldung zur Herzkatheteruntersuchung
Laboruntersuchungen:
- Kleines Blutbild (Leukozyten, Hämoglobin, Thrombozyten)
- Gerinnung (Quick, PTT)
- Elektrolyte, Kreatinin, Harnstoff
- Schilddrüse (TSH, falls pathologisch auch T3 und T4)
Apparative Untersuchungen:
- Ischämienachweis (d.h. Nachweis der eingeschränkten Blutversorgung) durch Belastungs-EKG, Stressechokardiographie, Kardio-MRT oder Szintigraphie und/oder Bildgebung durch Koronar-CT)
- Ruhe-EKG
Apparative Untersuchungen:
- Echokardiographie, ggf. auch „Schluckecho“/TEE (insbesondere bei Vitien)
- Thorax-Röntgen
- Bestehende Medikation, insbesondere Blutverdünnung
- OP-Berichte (z.B. nach aortokoronarer Bypass-Operation oder nach Bypass-Operationen der Becken-Bein-Gefäße)
- Sonstige relevante Vorbefunde
Wie läuft die Herzkatheteruntersuchung ab?
Bitte melden Sie sich am Aufnahme-Tag um 16:00 Uhr an der Rezeption der Privatklinik Graz Ragnitz. Von dort werden Sie in die sogenannte „Aufnahme“ weitergeleitet. Nach der offiziellen Anmeldung begleitet Sie ein:e Mitarbeiter:in in Ihr Zimmer. Hier können Sie es sich – wie im Hotel – bequem machen.
Bald darauf kontaktiert Sie unser:e Stationsarzt:ärztin und geht mit Ihnen Ihr Dossier durch. Es wird geprüft, ob alle Unterlagen vorhanden sind, und ein Venenzugang gelegt.
Anschließend bespricht der:die Kardiolog:in mit Ihnen die Details der geplanten Herzkatheteruntersuchung und geht den genauen Ablauf mit Ihnen durch. Es wird Ihnen auch gesagt, ob Sie am nächsten Morgen noch frühstücken bzw. ab wann Sie weder essen noch trinken dürfen.
Am nächsten Morgen erfolgen die ersten Schritte zur tatsächlichen Herzkatheteruntersuchung. Noch im Zimmer erhalten Sie eine Beruhigungs-Medikation. Danach werden Sie im Bett liegend zur Untersuchung ins Herzkatheterlabor gebracht.
Nach der örtlichen Betäubung am Handgelenk geht mit der Punktierung die eigentliche Herzkatheteruntersuchung los, die Sie am Monitor mitverfolgen können:
Sobald das Herzkranzgefäß sondiert ist, wird das Kontrastmittel injiziert, und in verschiedenen Perspektiven werden nun Filmaufnahmen gemacht. Sind die Engstellen gut dargestellt, entscheidet der:die Kardiolog:in, ob eine Stent-Implantation (PCI) zielführend ist. Werden noch weitere Informationen zur Gefäßbeschaffenheit benötigt, so können noch während des Eingriffs
- ein intravaskulärer Ultraschall
(Eine kleine Ultraschallsonde liefert detailliertes Bildmaterial der Gefäßwand des erkrankten Gefäßes. Diese Methode kommt bei Bedarf vor und/oder nach einer Stent-Implantation zum Einsatz.) und/oder - eine sogenannte Druckdrahtmessung
(Dieses Verfahren misst den Arteriendruck vor und nach einer Engstelle. Es wird eingesetzt, wenn die Röntgendarstellung nicht ausreicht, um jene Gefäß-Engstellen zu definieren, die für eine Stent-Implantation relevant sind.)
gemacht werden.
Ohne Intervention dauert eine Koronar-Angiografie zwischen 30 und 60 Minuten, mit Stent-Implantation (PCI) zwischen 60 und 90 Minuten.
Nach dem Eingriff erhalten Sie am Handgelenk für 4 bis 6 Stunden einen Druckverband in Form eines Spezialarmbandes (TR-Band). Nach einer Koronar-Angiografie, mit oder ohne Stent-Implantation, steigen Sie selbst vom OP-Tisch.
Wenn Sie eine PCI hatten, werden Sie nun zur Überwachung in den sogenannten Aufwachraum und von dort, einige Stunden später, zurück in Ihr Zimmer gebracht. Hatten Sie keine PCI, so werden Sie ins Zimmer begleitet. Dort können Sie bereits essen, trinken und etwas spazieren gehen.
Eine Pflegeperson wird nach wenigen Stunden den Druckverband abnehmen. Mittlerweile ist es Abend geworden. Sie verbringen die kommende Nacht noch in der Privatklinik Graz Ragnitz.
Nach der Arzt-Visite durch den:die Kardiolog:in am nächsten Tag steht einem Nachhause-Gehen nichts mehr im Wege. Mit einem Pflaster am Handgelenk verlassen Sie das Haus.
Folgende Unterlagen erhalten Sie nach Ihrem Aufenthalt in der Privatklinik Graz Ragnitz:
- Untersuchungsbefund der Koronar-Angiografie
- Arztbrief
- CD mit den Filmaufnahmen
Daheim sollten Sie Ihr Handgelenk noch einige Tage schonen: nichts Schweres heben oder tragen bzw. keine Tätigkeiten ausführen, die das Handgelenk sehr beanspruchen. Die meisten Alltagsverrichtungen sind jedoch sofort wieder möglich.
Häufig gestellte Fragen und Antworten
Ja, ca. ein oder zwei Monate nach einer Stent-Implantation (PCI) ist es möglich, ein weiteres Herzkranzgefäß zu sanieren. Speziell bei Personen, bei denen eine Bypass-Operation aufgrund der Begleiterkrankungen zu riskant wäre, können mehrere PCIs zur Verbesserung der Herzversorgung/Lebensqualität durchgeführt werden.
Ja, gerade da ist es sinnvoll, den Bypass zu kontrollieren, denn auch Bypässe degenerieren und können mit der Zeit Engstellen entwickeln. Eine Stent-Implantation kann diese beheben.
Nein, eine Narkose ist nicht erforderlich. Es wird lediglich eine lokale Betäubung/Lokalanästhesie an der Gefäß-Punktionsstelle verabreicht. Patient:innen können somit während der Untersuchung mit dem:der Kardiolog:in sprechen. Zur Stressabschirmung werden jedoch vor der Untersuchung (und bei Bedarf auch während des Eingriffes) Beruhigungsmittel (Tranquilizer) verabreicht.
Die Lokalanästhesie wird als Stich und ziehender Schmerz während der Injektion wahrgenommen. Manche Patient:innen berichten von unangenehmen Empfindungen im Unterarm. Im Körper bzw. am Herz wird der Katheter nicht wahrgenommen.
Bei den meisten Untersuchungen nicht, da das Hitzegefühl nur bei Injektion einer größeren Menge Kontrastmittel verspürt wird – etwa wenn die linke Herzkammer dargestellt werden muss. Ist das der Fall, werden Sie unmittelbar vorher informiert. Das starke Hitzegefühl hält nur wenige Sekunden an.
Heute nicht mehr. Der Standardzugang ist heute über die Arterien der Handgelenke gegeben, da dies komplikationsärmer und für die Patient:innen weniger unangenehm ist. Bettruhe ist dadurch nach der Untersuchung nicht mehr erforderlich, das Aufsuchen der Toilette ist z.B. sofort möglich. Im Einzelfall kann jedoch noch immer die Punktion der Leistenarterie erforderlich werden.
- Thrombo ASS oder Plavix werden nicht unterbrochen.
- Bei Pradaxa, Eliquis, Xarelto oder Lixiana – den sogenannten NOAKs (neue orale Antikoagulantien) – reichen eintägige (oder gar keine) Unterbrechungen aus.
- Marcoumar oder Sintrom werden in der Regel für einige Tage abgesetzt.
Tun Sie dies jedoch bitte nur in Absprache mit Ihrem:Ihrer Arzt:Ärztin oder dem:der Kardiolog:in. Sollten Sie gerinnungshemmende Medikamente aus den oben genannten Gruppen einnehmen, werden Sie jedenfalls entsprechend instruiert.
Ja. Die Untersuchung wird mit Röntgenstrahlung durchgeführt. Die Strahlendosis wird so gering wie möglich gehalten. Dank der hier zum Einsatz kommenden, modernen Technologien ist die Strahlenbelastung – im Vergleich zu früher – bereits stark reduziert.
Das sind Herzfehler (vitium cordis), die v.a. die Herzklappen betreffen, d.h. sie sind verengt bzw. undicht.
Bei der Schluckechokardiographie bzw. TEE (transesophageal echocardiography) wird das Herz mittels Ultraschall von innen untersucht. Dazu wird eine Ultraschallsonde in die Speiseröhre (Ösophagus) eingeführt und hinter dem Herzen positioniert. So bekommt man eine sehr genaue Darstellung desselben, was bei einer Echokardiographie durch die Brustwand von außen nicht so exakt möglich ist.
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